PETAW Band LIVE

 

Ein Essay zum Thema KONZERTVIDEOS


Ich war nie ein Fan von Konzertvideos, weil ich beim Zusehen sehr oft vor dem Bildschirm sitze und mir ein Magengeschwür ärgere, wenn der Schnitt die Performance kaputt macht.

Schnitte bei einem Konzertvideo sind für mich problematisch. Oft wird mir durch eine Mischung aus Detailaufnahmen, untersichtigen Bildern und wilden Schwenks suggeriert, wie ich das Konzert im jeweiligen Moment empfinden soll. Ich habe keine Chance meinen eigenen Weg in die Performance zu finden. Das ist wie schlechte musikalische Untermalung bei einem Film.

Aber ich habe auch noch nie darüber nachgedacht, dass man das anders lösen könnte.

Und dann kamen Nine Inch Nails und haben mich eines Besseren belehrt:

Anstelle von vielen Kameramännern, die alle möglichen Kamerawinkel besetzen, verwenden sie nur einen einzigen Kameramann, der auf der Bühne in Mitten der Musiker herumgeht und die Performance in einem Stück mitfilmt.
Er lässt sich dabei mit einem gefühlten Ruhepuls von 60 von der Musik führen, und zeigt dem Zuseher das Konzert aus einem Blickwinkel und einer Nähe, die er normalerweise nie sehen bzw. spüren würde. Ziemlich coole Idee.

Seit ich das gesehen habe, wollte ich das unbedingt auch mal machen (sorry an dieser Stelle an alle Musiker, die ich damit schon einmal genervt habe, bzw. sorry an alle Konzertgeher, die gestört wurden, weil sie dachten "Was macht der Typ mit der Kapuze da auf der Bühne").

Das spannende für mich (=Nerdboy) dabei ist, dass die Kameraarbeit riskant ist: Du kannst nicht das ganze Konzert auf der Bühne herumhampeln, also musst du dich vor dem Konzert mit den Musikern auf einen Teil der Show einigen, wo du auf die Bühne kommen wirst und dein bestes gibst, damit dieser "Oneshot" funktioniert.

Ich hab das zum Beispiel vor einem Jahr mit TURBOBIER bei einem größeren Konzert versucht. Ich kenne ihre Songs in- und auswendig und habe sie schon oft live gesehen. Wir haben den Oneshot vor dem besagten Konzert sogar in ihrem Proberaum geübt. 
Auf der richtigen Bühne sind dann 2-3 Kleinigkeiten bei der Aufnahme schiefgelaufen und wir konnten sie kübeln. Wiederholen kannst du das ja nicht.

Letzten Oktober war die Enttäuschung besonders groß: Ich habe Robert von KÄPTN PENG von meiner Idee überzeugen können, mir dann zur Vorbereitung ein ganzes Konzert von ihnen vom Graben aus angesehen und war dann mehrere Nummern lang bei ihrem Konzert in der ARENA WIEN auf der Bühne.
Keine der Aufnahmen konnte verwendet werden.

Das ist übrigens das weirdeste Gefühl auf Erden, wenn du auf der Bühne stehst, offensichtlich kein Teil der Performance bist und den Fans fast 30 Minuten lang da und dort die Sicht verstellst.

Warum die Takes nichts geworden sind? Manchmal kann eine einzige unruhige Bewegung meinerseits das ganze Video uninteressant machen. 
Es kommt auch vor, dass das Bild bei einer Nummer super war, aber die Musiker ihre musikalische Performance nicht gut fanden. Einmal ist es sogar daran gescheitert, dass der Tontechniker vergessen hat, das Konzert mitaufzuzeichnen.

Die Livekonzerte, die ich für sowas bis jetzt interessant gefunden habe, sind noch dazu sehr unterschiedlich von einem Konzert zum nächsten und die Musiker bewegen sich viel. 
Man kann sich also nicht megamäßig darauf vorbereiten.

Die ganzen Risiken machen diese Art der Kameraarbeit aber auch spannend.

Im Dezember 2017 war's dann so weit:

Als mich dann die ganz junge Wiener Gruppierung PETAW BAND um ein Livevideo gefragt hat, wollte es endlich klappen. Die Aufnahme hat mir UND den Musikern gefallen und wir haben es auf YouTube veröffentlicht.

Ein steiniger Weg, die Erleichterung riesig.

Das Video könnt ihr euch hier ansehen (Ich empfehle Kopfhörer oder Stereoanlage, da es sehr dynamisch gemischt wurde.).

Die Ironie dabei? Es war das erste Mal, dass ich mich nicht auf den Oneshot vorbereitet habe. Ich habe die Band vorher nie live gesehen und kannte nur eine Proberaumaufnahme ihrer Songs, die ich mir 30 Minuten vor dem Konzert angehört habe. Ich musste mich also ganz von der Musik leiten lassen...

Was lernen wir also aus der Geschichte? Die beste Vorbereitung ist keine Vorbereitung.

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